Strafverfahren: Ablauf und Bedeutung

Strafverteidiger München – Fachanwalt Strafrecht München

Gegen Sie ist ein Strafverfahren eröffnet worden?

Das Strafverfahren, welches auch als Strafprozess bezeichnet wird, ist ein standardisierter Ablauf, der auf eine Strafanzeige folgt. Die Strafanzeige kann zu Unrecht oder zu Recht gestellt worden sein, das spielt für den Prozess zunächst keine Rolle und wird erst im späteren Ablauf des Strafverfahrens relevant. Um etwaige Risiken, Möglichkeiten der Verteidigung und die eigenen Rechte zu verstehen, lohnt es sich einen Blick auf diesen Ablauf und seine möglichen Ausgänge zu werfen.

Wie läuft ein Strafverfahren ab?

Ein Strafverfahren kann bis zu vier Stufen durchlaufen:

  1. Ermittlungsverfahren
  2. Zwischenverfahren
  3. Hauptverfahren
  4. Vollstreckungsverfahren

Die Eröffnung eines Strafverfahrens an sich ist also noch kein Anlass in Panik zu geraten, da es nicht mit einer Schuldfeststellung oder gar Verurteilung gleichzusetzen ist. Vielmehr dient das Strafverfahren in seiner ersten Instanz, dem Ermittlungsverfahren, dazu die Beweise zu sichten, Zeugen zu hören und damit den Sachverhalt gründlich zu prüfen.

Stufe 1 – das Ermittlungsverfahren

Initiiert durch eine Behörde oder durch eine Strafanzeige, die jeder stellen kann, wird das Ermittlungsverfahren als erste Stufe des Strafverfahrens eingeleitet. Namensgebend für diese Stufe des Verfahrens sind die Ermittlungen, die durch die Strafverfolgungsbehörde und die Polizei aufgenommen werden. In diesen Ermittlungen wir genauer geprüft, ob die Anschuldigungen dem Beschuldigten gegenüber theoretisch bewiesen werden können oder Beweise für das Gegenteil bestehen und die Anschuldigungen zu Unrecht erhoben worden sind.

Im Rahmen der Ermittlungen werden Beweise gesammelt und Zeugen zum Sachverhalt vernommen und so die Weichen für den weiteren Verlauf des Prozesses gestellt.

Im Ermittlungsverfahren als Beschuldigter aussagen – worauf ist zu achten?

Als Beschuldigter versteht man eine Person, gegen die in einem Strafverfahren ermittelt wird und ein konkreter Verdacht einer strafbaren Handlung besteht. Aus diesem Grund ist Vorsicht geboten.

Sind Sie zur Vernehmung als Beschuldigter vorgeladen, empfiehlt es sich spätestens jetzt anwaltliche Unterstützung zu beanspruchen.

Eine StrafverteidigerIn kann im Rahmen des Ermittlungsverfahrens Akteneinsicht verlangen und Sie so bestmöglich für eine Aussage als Beschuldigten vorbereiten. Es ist in jedem Fall davon abzuraten sich vor der Akteneinsicht im Rahmen einer Vernehmung zur Sache zu äußern. Diese Herangehensweise gilt völlig unabhängig davon, ob sie zu Recht oder Unrecht beschuldigt werden, denn die von Ihnen im Rahmen einer Vernehmung getätigten Aussagen können gegen Sie verwendet werden.

Droht mir als Beschuldigter schon Haft?

Als Beschuldigter haben Sie umfassende Rechte und können nur dann in Haft genommen werden, wenn dazu ein ausreichender Grund vorliegt. Ein solcher Grund kann in Flucht, Fluchtgefahr und dem Risiko der Verdunklung oder Wiederholung liegen. Sind einer oder mehrerer solcher Gründe gegeben, kann die Staatsanwaltschaft in diesem Prozessschritt einen Haftbefehl beim Ermittlungsrichter beantragen.

Das Ermittlungsverfahren endet schließlich mit einer der folgenden drei Möglichkeiten:

  1. Einstellung des Verfahrens
  2. Strafbefehl
  3. Anklage

Stufe 2 – das Zwischenverfahren

Im Zwischenverfahren kommt nun das Gericht als eine weitere, dritte Instanz hinzu. Seine Aufgabe ist es die zusammengetragenen Beweise zu sichten, den Sachverhalt zu prüfen und schließlich zu entscheiden, ob die Sachlage eine Hauptverhandlung rechtfertigt. Im Zwischenverfahren hat die StrafverteidigerIn die Möglichkeit das hierauf potenziell folgende Hauptverfahren in Teilen oder ganz abzuwenden.

Stufe 3 – das Hauptverfahren

Stellt das Gericht im Zwischenverfahren fest, dass die Anklage der Staatsanwaltschaft gerechtfertigt ist, wird das Hauptverfahren eröffnet. In der Regel läuft das Hauptverfahren wie folgt ab:

  • Fragen zur Person des Angeklagten
  • Verlesung der Anklage
  • Optionale Stellungnahme des Angeklagten
  • Beweisaufnahme, die sich aus Zeugen- und Sachverständigenaussagen zusammensetzen kann
  • Staatsanwaltschaft, sowie die StrafverteidigerIn halten jeweils ein Plädoyer und der Angeklagte hat das berühmte letzte Wort
  • Abschließend zieht sich das Gericht zurück und entscheidet über das Strafmaß, welches im Anschluss verkündet wird

Je nach Komplexität des vorliegenden Sachverhalts, der Anzahl der Beweismittel und Zeugen kann die Dauer des Hauptverfahren von wenigen Tagen bis zu einigen Monaten variieren. Während dieser Zeit ist es die Aufgabe der StrafverteidigerIn Beweise und Zeugenaussagen einzubringen, die die Verurteilung des Angeklagten abwenden oder das Strafmaß abmildern sollen.

Der Ausgang des Hauptverfahrens kann einen Freispruch für den Angeklagten bedeuten, oder im Falle einer Verurteilung eine Geld- oder Haftstrafe nach sich ziehen.

Kann man noch etwas gegen das Urteil tun?

Beide Seiten können gegen das Urteil binnen einer Woche das Rechtmittel der Berufung oder der Revision einlegen.

Die Berufung hat den Übergang des Falls an die nächsthöhere Instanz zur Folge. Das Landgericht wird daraufhin in Form einer Gerichtsverhandlung das Urteil überprüfen. Im Rahmen dieses neuen Verfahrens können neue Beweismittel eingebracht und so die Sachlage entschieden verändert werden.

Die Revision zielt auf Rechts- und Verfahrensfehler ab und übergibt den Fall an das Oberlandesgericht, welches sich der Überprüfung dieser widmet. Hier findet in der Regel keine neue Verhandlung statt.

Stufe 4 – Vollstreckungsverfahren

Sofern ein Urteil gefällt worden ist, wird das auferlegte Strafmaß im Rahmen des Vollstreckungsverfahrens durch den Staat durchgesetzt. Da das Strafmaß Freiheitsentzug und / oder Geldstrafen beinhalten kann, geht die Durchsetzung mit staatlichem Zwang einher und kann mithilfe einer guten StrafverteidigerIn unter Umständen und Auflagen im späteren Verlauf abgemildert werden.

Rechtsanwalt Katja Günther

Katja Günther ist Fachanwältin für Strafrecht und verteidigt ihre Mandanten mit Leidenschaft und Sachverstand.

Sie stecken in der Klemme?

Sofern Sie sich in einem der oben beschriebenen Prozessschritte befinden, oder die Befürchtung haben, dass ein solches Verfahren in Kürze gegen Sie eröffnet werden könnte, stehe ich Ihnen gerne mit kompetentem Rat zur Seite und unterstütze Sie beim Durchlauf der verschiedenen Phasen. Die richtige Strafverteidigung kann signifikante Auswirkungen auf den Prozessverlauf und ein potenzielles Strafmaß haben. Lassen Sie uns schnellstmöglich darüber sprechen!

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